Bitcoin und Klimaschutz passen sehr gut zusammen

Christian Sadrinna
7 min readMar 9, 2021

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Photo by Markus Spiske on Unsplash

Lesen & einordnen, warum …

  1. Bitcoin gut für das Klima ist
  2. Bitcoin gutes Wachstum fördert
  3. Bitcoin den Anfang eines Umbruches einläutet

Ausgangslage

Das Thema Bitcoin taucht hier und da immer mal wieder in den Medien auf — meist 1:1 korreliert mit dem aktuellen Preis eines Coins in EUR bzw. USD. Hierbei ist das landläufige Narrativ schnell erzählt:

  1. Bitcoin ist etwas für Spekulanten und Zocker
  2. Bitcoin “verbraucht” gigantische Mengen an Strom
  3. Bitcoin ist super kompliziert und nur für Experten

Kernaussage (dieses Textes)

Bitcoin basiert auf einer globalen Infrastruktur, die bereits einen sehr durchdringenden Verbreitungsgrad aufweist — bei genauerer Betrachtung kann Bitcoin DIE Lösung sein, um gesellschaftliches Handeln in klimafreundliche und nachhaltige Richtungen zu steuern. Die Umkehr der neoliberalen “immer mehr Wachstums” Geschichte ist ein Projekt der Jahrzehnte — und wir stehen gerade erst am Anfang.

Die Frage ob Bitcoin gut, schlecht oder neutral für das Klima ist, bedarf zunächst grundsätzlich der Frage nach menschlichen und gesellschaftlichem Handeln, welches nachweislich “schlecht” für das Klima ist: Es gibt einen sehr eng korrelierenden Zusammenhang zwischen

> Wachstum der CO2 Konzentration in der Atmosphäre

Eine Verdoppelung der CO2-Konzentration vom vorindustriellen Wert von 280 ppm auf 560 ppm (parts per million) würde, nach gegenwärtigem Stand der Wissenschaft, wahrscheinlich zu einer globalen Erwärmung um 3 °C führen. Der Anstieg der Temperaturen in so kurzer erdgeschichtlicher Zeit würde dann den “Klimawandel” mit all seinen negativen Folgen herbeiführen und beschleunigen — keine weiteren Details hierzu um nicht vom eigentlichen Thema abzulenken.

Ein weiter Anstieg der Temperatur lässt sich also durch die Reduktion des CO2 Anteiles in der Atmosphäre bremsen (weniger CO2 = geringer Anstieg der Temperatur).

Im Umkehrschluss bedeutet das, dass es verschiedene Stellschrauben gibt, um die CO2 Ausdehnung zu bremsen bzw. sogar umzukehren. Dem Verbrauch von fossilen Ressourcen wird beispielsweise mit der #Energiewende begegnet. Der #Veganismus hinterfragt die modernen Lebensweisen und adressiert ethische Fragen im Verhältnis von Mensch und Tier. Die #Weltbevölkerung wird durch Seuchen á la COVID-19 in ihrer Anzahl reduziert — nur die Gelddruck-Orgien der Notenbanken passen irgendwie nicht in das Bild. Dabei ist gerade die Ausweitung der Notenbankbilanzen seit den 1970er Jahren DER Treibstoff für das globale Wachstum gewesen. Wäre es daher nicht ratsam, den Anstieg der Geldmenge zu reduzieren bzw. sogar zu drosseln, um die Weltwirtschaft nicht übermäßig wachsen zu lassen und eine klimafreundlichere Richtung einzuschlagen?

Ja, aber … und davon gibt es viele. Neben vielen politischen, geo-politischen und strategischen, scheint mir eine jedoch sehr einfach: Ein abruptes Abwürgen des Geldwachstums wäre ein brutales Ende mit sehr großem Potential für massive Unruhen und Chaos in Folge von Pleiten, Existenznöten und Armut. Das inflationäre und klassische Geldsystem (FIAT) gibt genau diesen Anreiz, sein Geld in Umlauf zu geben und zu konsumieren, um weiteres Wachstum zu erzeugen. Inflation ist DER Anreiz zum konsumieren — da mein Geld morgen ja bereits weniger Wert ist. Korrumpiert man den Anreiz, korrumpiert man das jetzige System und die unzähligen Wirtschaftssubjekte, deren geschäftliches Gebaren genau auf diesem Grundsatz aufbaut: verkaufen, verkaufen, verkaufen! Hierbei ist die weltliche Gesellschaft in eine Sackgasse gelaufen, die die Weltmärkte mit Plastikmüll und der Attitüde “Kaufen und Neukaufen” überschwemmt und maßgeblich zu einem unaufhaltsamen Wachstum der CO2 Konzentration geführt hat.

Ein anderes Geldsystem müsste daher nicht inflationär sein, sondern deflationär um Konsum zu unterbinden: und genau das ist Bitcoin!

Ein System welches durch Mathematik (der universellsten und anerkanntesten Sprache der Welt), Dezentralität und Einfachheit einen deflationären Charakter aufweist und nach einfacher Angebot-und-Nachfrage Mathematik folgendermaßen funktioniert: 21 Millionen Bitcoin (maximale Menge = limitiertes Angebot) stehen einer Weltbevölkerung von 8 Milliarden Menschen gegenüber — und warum sollen nicht auch Unternehmen, Tiere oder Maschinen Bitcoins besitzen können? Kurz um: Einer riesigen potentiellen Nachfrage steht ein begrenztes Angebot gegenüber. Die einzige Variable im Spiel ist der Preis der unweigerlich in eine Aufwertungsspirale bis zum endgültigen und stabilen Preisniveau tendiert. Konnte man sich 2015 noch ein iPhone von einem Bitcoin kaufen, ist es 2021 ein Tesla und 2030 ein Haus. Der Faktor Zeit und die Präferenz eines jeden Einzelnen auf Konsum zu verzichten, um in Zukunft mehr und essentiellere Dinge zu erwerben, ist damit ein versteckter und eingebauter Energiesparer.

Wirkung von Inflation (Gelb) und Deflation (Blau) auf den Wert von Geld im Zeitverlauf

Sofern sich dieses Narrativ in der breiten Masse durchsetzt und FIAT Währungen vermehrt in den Kauf von Bitcoin fließen und damit dem regulären Wirtschaftskreislauf für überflüssigen Konsum entzogen wird, desto eher kann der Bitcoin seine klimafreundliche Wirkung entfalten.

Bitcoins zu halten (Fachbegriff “HODL” — hold on for dear life) wird damit nicht nur zu einem persönlichen Finanz- bzw. Portfoliothema, sondern ist zeitgleich und vielmehr eine globale Revolution zur Hemmung von Konsum, durch den Anreiz die Bitcoins morgen für MEHR nutzen zu können.

Jeder Einsatz von Bitcoin zu Zwecken des Konsums will dann natürlich auch gut überlegt sein — eine wichtige Eigenschaft um Nachhaltigkeit, Recycling oder Upcycling zu unterstützen und unnötige (Neu)käufe zu hemmen: Alles sicherlich gesellschaftliche Verhaltensweisen, die sich positiv im Kampf gegen den Klimawandel auswirken werden.

Was ist aber mit dem klimaschädlichen Energiehunger von Bitcoin? Die Tatsache, dass das Bitcoin Netzwerk Energie zur Aufrechterhaltung von Sicherheit und zur Abwicklung von Transaktionen benötigt ist unumstritten — und reine Zahlenvergleiche sind oftmals erschreckend, beispielsweise das dass Netzwerk genauso viel Energie benötigt wie das gesamte Land Norwegen.

Bitcoin ist aber GERADE so “sicher” (und damit erfolgreich und aktzeptiert), weil es — trotz seines digitales Wesens— eine inhärente Verbindung zu der primärsten Form unseres Planeten aufweist: Energie. Die Tatsache, dass Energie immer nur umgewandelt wird (aus Kohle, aus Sonne, aus Wind, ..) und nicht beliebig erzeugbar, verleiht dem Netzwerk GERADE bei viel Stromverbrauch eine nahezu einzigartige Sicherheit — eine Sicherheit von dezentraler Natur, die bedeutet, dass kein zentraler Staat oder keine Organisation soviel Energie zeitgleich kontrollieren kann … und damit auch das Netzwerk nicht kontrollieren kann. Diese energetische Sicherheit ist das wichtigste Argument und der einzige wirkliche Anwendungsfall für Bitcoin — umgangssprachlich “Digitales Gold” bzw. “Aufbewahrung von Wert”.

“Energieverbrauch” entspricht dem Maß an Sicherheit

Der reine Blick auf die hohen Stromverbräuche sind daher nur eine einseitige und absolute Betrachtung — relativ gesehen, ist der Verbrauch im Angesicht seiner Eigenschaft noch “relativ” gering. Vergleicht man beispielsweise den Energieverbrauch des Bankensystems (Systeme, Server, Filialen, Papiergeld, …) oder der Goldschöpfung (Minen, Exporte, Lagerungen, …) so reden wir weiterhin über ein Bruchteil dessen. Zur weiteren Wahrheit über den Mythos “unersättlicher Stromfresser” gehört auch, dass Bitcoin nicht mehr als eine relativ geringe Internetbandbreite benötigt und “Miner” und “Nodes” (=aktive Teilnehmer am Netzwerk) quasi überall auf der Welt ihre Arbeit verrichten können — und das passiert auch und vor Allem da, wo die Preise für Energie besonders günstig sind: Beispielsweise in Island. Die Tatsache das Island über riesige “eneuerbare” Ressourcen verfügt, hat das Land innerhalb weniger Jahre zu einem wichtigen Akteur im Bitcoin Netzwerk gemacht. In letzter Konsequenz bewirkt das Bitcoin Netzwerk damit sogar ein Wettlauf, um die Suche nach günstiger (regenerativer) Energie. Schon heute werden laut einer Studie der Cambridge Universität rund 70% der Rechenleistung des Netzwerkes aus erneuerbaren Energien bezogen. Dieser Wettlauf entstammt aus einem einfachen, aber wirkungsvollen Prinzip des Bitcoin: Aktive Teilnehmer werden für ihre bereitgestellte Rechenleistung mit Bitcoin belohnt … allerdings nur wenn Sie sich im internen Netzwerk-Wettbewerb als erster bei einer rechenintensiven mathematischen Aufgabe durchgesetzt haben. Genau hierfür braucht es aber neben der erwähnten günstigen (und damit wiederholend gesagten “nachhaltigen” Energie) auch eine effiziente Computerhardware. Hierbei hat die Halbleiterindustrie — angetrieben durch die Nachfrage aus dem Bitcoin Bereich — enorme Fortschritte erzielt. Diese bautechnischen Erkenntnisse fließen dabei auch wieder in Komponenten von heimischen PCs oder Smartphones, die dadurch wiederum auch effizienter (und grüner) werden.

Der “Stromverbrauch” wirkt absolut gesehen also hoch — allerdings ist “Energie” ein elementarer Teil zur Erzeugung von Sicherheit und Vertrauen im Netzwerk. Bei relativer Betrachtung ist die Energiebilanz sogar recht verhältnismäßig und der Bedarf wird vielfach nachhaltig erzeugt.

FAZIT

Die Pandemie war ein guter Katalysator und hat die Digitalisierung in vielen Bereichen enorm beschleunigt — und auch das Interesse an Bitcoin ist nach Statistiken von Google Trends wieder in das mediale Licht gerückt. Der globalen Kraftanstregung rund um die Eindämmung der Pandemie wird ein mediales Feuerwerk rund um den Klimawandel folgen — im Tenor wird dann die Pandemie durch den Klimawandel (mit)begründet und die Bevölkerung auf eine neue Ära eingeschworen. Eine grüne, digitale und auf Anti-Konsum ausgerichtete Ordnung in deren Zentrum der Bitcoin eine entscheidene Rolle spielen wird. Zum einen wird dieses deflationäre System in letzter Konsequenz die Anreize zum horten (HODLn) begünstigen und damit den überhitzten Konsumrausch über die nächsten Jahre herunterstutzen — zum anderen wird Bitcoins Rolle als Wertspeicher (begründet DURCH den Energieverbrauch) eine wesentliche Rolle spielen. Die medialen Nebelkerzen werden dabei leider noch viele Unwahrheiten für eine vermeindliche klimaschädigende Wirkung verbreiten — der langfristigen Erkenntnis, dass Bitcoin ein wesentlicher Teil der Lösung (und nicht Teil des Problems) ist, wird dies jedoch keinen Abbruch tun.

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